Bewertung · KMU und Mittelstand
Methoden, aktuelle Multiples nach Branche und die Rechnung vom Unternehmenswert zum Kaufpreis – aus der Praxis von über hundert Transaktionen.
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Ein Unternehmen hat keinen Wert, sondern mehrere: einen für den Steuerberater, einen für die Bank, einen für den Verkäufer und einen für jeden Käufer. Diese Seite erklärt, wie Käufer im Mittelstand tatsächlich rechnen, welche Multiples aktuell bezahlt werden und warum der Unternehmenswert selten der Betrag ist, der auf dem Konto landet.
Der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) wird mit einem branchen- und grössenabhängigen Faktor multipliziert. Das ist die Methode, mit der Beteiligungsgesellschaften, Family Offices und die meisten strategischen Käufer arbeiten – nicht, weil sie die genaueste ist, sondern weil sie den Marktpreis abbildet: Ein Multiple ist nichts anderes als der Preis, den vergleichbare Unternehmen zuletzt erzielt haben. Für kleinere Betriebe wird häufig auch der EBIT als Basis verwendet, weil Abschreibungen bei anlagenintensiven Unternehmen echte Kosten sind.
Die zukünftigen freien Cashflows des Unternehmens werden geplant und mit einem Kapitalkostensatz auf heute abgezinst. Theoretisch die sauberste Methode, in der Praxis stark abhängig von zwei Annahmen – der Planung und dem Zinssatz –, die beide vom Ersteller beeinflusst werden. Käufer nutzen die DCF-Methode als Plausibilitätscheck und für die Finanzierungsplanung, selten als Preisgrundlage. Bei Bewertungen für Steuerbehörden, Gerichte und Erbteilungen ist sie dagegen Standard.
In der Schweiz verbreitet ist die Praktikermethode: zweimal Ertragswert plus einmal Substanzwert, geteilt durch drei. Sie stammt aus der Steuerpraxis (Kreisschreiben 28 der Schweizerischen Steuerkonferenz) und wird für die Vermögenssteuerbewertung nicht kotierter Aktien verwendet. Als Preisindikation für einen Verkauf taugt sie nur bedingt, weil sie die Substanz überbewertet und die Zukunft ignoriert. In Deutschland spielt der Substanzwert vor allem bei anlagenintensiven Betrieben und im Insolvenzfall eine Rolle.
Praxisregel: Wer wissen will, was ein Käufer bezahlt, rechnet mit Multiples. Wer wissen will, was das Finanzamt oder ein Gutachter ansetzt, rechnet mit DCF oder Praktikermethode. Die Differenz zwischen beiden ist oft grösser als der Verhandlungsspielraum.
Die Bandbreiten unten sind unsere Erfahrungswerte aus Transaktionen in der DACH-Region und aus dem laufenden Austausch mit den Käufern in unserem Netzwerk. Sie gelten für Unternehmen mit einem EBITDA zwischen 0,5 und 10 Millionen. Grössere Unternehmen erzielen höhere Multiples, weil mehr Käufer um sie konkurrieren und die Finanzierung günstiger ist.
| Branche | EBITDA-Multiple (Bandbreite) | Was den Wert nach oben treibt |
|---|---|---|
| Handwerk, Bau, Gebäudetechnik (Ausführung) | 3,5× – 5,5× | Service- und Wartungsanteil, Fachkräfte, Region |
| Gebäudetechnik mit Service/Wartung, technischer Facility Service | 5× – 7× | Vertragsumsatz, Kundenbindung, Plattformfähigkeit |
| Maschinen- und Anlagenbau, Zulieferer | 4× – 6,5× | Eigenes Produkt, Nische, Aftermarket-Anteil |
| Industrielle Dienstleistung, Prüfung, Inspektion | 6× – 8× | Regulierung, Wiederkehr, geringe Zyklik |
| IT-Dienstleistung, Managed Services | 6× – 9× | Wiederkehrende Umsätze, Sicherheit, Kundenstruktur |
| Software (B2B, wiederkehrend) | 8× – 12× EBITDA oder 2× – 5× Umsatz | Wachstum, Kündigungsquote, Bruttomarge |
| Gesundheitsdienstleistung, Pflege, Praxen | 6× – 9× | Regulierung, Standort, Personalverfügbarkeit |
| Handel, Distribution | 4× – 6× | Exklusivitäten, Logistik, Eigenmarken |
| Konsumgüter, Marken | 5× – 8× | Markenstärke, Direktvertrieb, Wachstum |
Stand September 2026. Bandbreiten für bereinigtes EBITDA, cash- und schuldenfrei (Enterprise Value). Einzelfälle können deutlich abweichen.
Ob ein Gebäudetechnik-Betrieb mit 4× oder mit 6× bewertet wird, entscheidet sich an wenigen Kriterien. Es lohnt sich, sie zwei bis drei Jahre vor dem Verkauf gezielt zu verbessern, weil jede Verbesserung um 0,5× beim EBITDA von zwei Millionen eine Million Kaufpreis bedeutet.
Bevor über Multiples gesprochen wird, wird über die Basis gestritten. Das ausgewiesene EBITDA eines inhabergeführten Unternehmens ist fast nie das EBITDA, das ein Käufer erwarten kann. Typische Anpassungen:
| Position | Anpassung | Richtung |
|---|---|---|
| Inhaberlohn über oder unter Marktniveau | Ersatz durch marktübliches Geschäftsführergehalt | beide |
| Private Aufwendungen im Unternehmen (Fahrzeuge, Reisen, Familienangehörige) | Hinzurechnung | erhöht EBITDA |
| Betriebsimmobilie im Eigentum | Ansatz einer Marktmiete, Immobilie separat bewertet | senkt EBITDA |
| Einmalige Erträge oder Aufwendungen (Prozess, Grossprojekt, Versicherungsleistung) | Eliminierung | beide |
| Unterlassene Investitionen, aufgeschobene Instandhaltung | Käufer setzt Normalniveau an | senkt EBITDA |
| Fehlende zweite Führungsebene | Käufer rechnet Zusatzgehälter ein | senkt EBITDA |
Wer diese Bereinigung selbst vornimmt und dokumentiert, bevor ein Käufer sie vornimmt, verhandelt aus einer besseren Position. Der Käufer bereinigt sonst in seine Richtung – und der Verkäufer erfährt es erst im Angebot.
Das Multiple ergibt den Enterprise Value, den Wert des operativen Geschäfts ohne Finanzierung. Was der Verkäufer erhält, ist der Equity Value. Dazwischen liegt die sogenannte Equity Bridge, und dort geht in Verhandlungen regelmässig mehr verloren als beim Multiple.
Beispiel: Ein Betrieb mit 2,0 Millionen bereinigtem EBITDA und einem Multiple von 5,5× hat einen Enterprise Value von 11,0 Millionen. Bestehen Bankschulden von 1,5 Millionen, Leasingverbindlichkeiten von 0,3 Millionen und eine Liquidität von 0,8 Millionen, von denen 0,5 Millionen betriebsnotwendig sind, ergibt sich ein Equity Value von 11,0 – 1,5 – 0,3 + 0,3 = 9,5 Millionen. Wird zusätzlich ein Working-Capital-Ziel vereinbart und liegt das tatsächliche Umlaufvermögen am Stichtag darunter, reduziert sich der Preis nochmals. Diese Mechanik – Locked Box oder Closing Accounts, Definition der Schulden, Working-Capital-Peg – ist im Kaufvertrag oft mehr wert als eine halbe Multiple-Stufe.
Schweizer Inhaber kennen ihren Unternehmenswert meist aus der Vermögenssteuerveranlagung. Dieser Steuerwert nach Kreisschreiben 28 (Praktikermethode mit einem Kapitalisierungszinssatz, der jährlich festgelegt wird) hat mit dem am Markt erzielbaren Preis wenig zu tun: Bei ertragsstarken Unternehmen liegt er meist deutlich darunter, bei substanzstarken, ertragsschwachen Betrieben darüber. Wer die Nachfolge plant, sollte beide Werte kennen – den Steuerwert für Erbteilung und Schenkung, den Marktwert für den Verkauf.
Für eine erste Einordnung in drei Minuten steht Ihnen unser Unternehmenswert-Rechner zur Verfügung: sieben Fragen, Wertbandbreite auf Basis der oben genannten Multiples, mit Aufschlüsselung der Werttreiber.
Wir erstellen indikative Bewertungen auf Basis der Multiplikatormethode mit einer Plausibilisierung durch DCF – nicht als Gutachten, sondern als realistische Einschätzung dessen, was der Markt heute bezahlt. Grundlage sind die letzten drei Jahresabschlüsse, die aktuelle Planung und ein Gespräch von etwa zwei Stunden. Sie erhalten eine Wertbandbreite, die dokumentierten Bereinigungen, die wichtigsten Werttreiber und -risiken aus Käufersicht sowie eine Einschätzung, welche Käufergruppen in Frage kommen. Für formelle Zwecke (Erbteilung, Gerichtsverfahren, Steuerruling) vermitteln wir an spezialisierte Gutachter.
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